Wiens tiefe Schusswunden

Der feige Anschlag in Wiens Bermudadreieck jährte sich heuer zum ersten Mal. Er geschah am 02 November 2020. Seither ist nichts mehr wie früher. An den Getränken und Speisen der Lokale wird noch lange der Beigeschmack von Unverständnis und Betroffenheit haften.
© Georg Hochmuth/APA/picturedesk

Es ist wohl unbestritten, dass das Jahr 2020 auf ewig ein historisches bleiben wird. Die Pandemie prägte nicht nur (Einzel)schicksale sondern zerstörte Existenzen und forderte weltweit eine Vielzahl von Opfern. Österreich hatte 2020 allerdings auch unter einem zweiten traumatischen Ereignis zu leiden. Einem Attentat, das ebenfalls Opfer forderte – vier Tote und 23 Verletzte, um genau zu sein. Einem Terroranschlag im Wiener Lokalviertel „Bermudadreieck“ am 02. November. Ausgeführt vom 20-jährigen Kujtim Fejzulai, Sympathisant der Terrororganisation „Islamischer Staat“, erschossen noch am selben Abend von den Einsatzkräften der WEGA.

Rückblick

Der Amoklauf fand seinen Anfang gegen 20:00 Uhr, als in der Seitenstettengasse erste Schüsse zu vernehmen waren. Es war dies am Vorabend des zweiten landesweiten Lockdowns, der seitens der Regierung erneut wegen der Corona-Pandemie verhängt wurde. Fejzulai zog vom Friedmann-Platz aus in Richtung Fleischmarkt, feuerte Schüsse ab, tötete einen jungen Mann. Am Ruprechtsplatz starb eine 24-jährige Frau im Kugelhagel, den er auf einige Lokale losließ. Eine 44-Jährige verwundete er in der Seitenstettengasse. Sie erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Dann der erste Schusswechsel mit der Polizei. Ein weiterer Mord an einem 39-Jährigen, ein neuerliches Gefecht mit den Einsatzkräften, bei dem ein Beamter schwer verletzt wurde. Zurück am Ruprechtsplatz wurde der Täter schließlich von der Sondereinheit WEGA überwältigt und erschossen.

Traurige Reflexion

Eine abgeriegelte Innenstadt. Rund 1000 teils schwer bewaffnete Beamte auf den Straßen. Hubschraubereinsätze. Auch wenn einige Zeit nicht klar war, von wie vielen Tätern man auszugehen hatte, geschah all das letztlich wegen eines einzigen Mannes. Wegen eines verwirrten Geistes, ausgerüstet mit Sturmgewehr, Faustfeuerwaffe, Machete und dazugehöriger Munition. Dem Verfassungsschutz war er bekannt. Er, der in der Slowakei AK-47-Munition kaufen wollte. Er, einer von knapp 90 österreichischen Islamisten, der im Sinn hatte nach Syrien auszureisen, um dort dem „Islamischen Staat“ zu dienen. Er, der 2018 beim Einreiseversuch nach Syrien von türkischen Behörden in Schubhaft genommen und per Flugzeug nach Österreich überstellt wurde. Er, der 2019 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt, nach zwei Dritteln der Haftzeit aber vorzeitig entlassen wurde.

Christoph Hahn

 

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