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Bundesministerin Elisabeth Köstinger bei der Präsentation der neuen Tourismusstrategie

Faire Regularien für Zimmervermietung

Bund und Länder erarbeiten ein Registrierungssystem. Praktiker sehen Für und Wider.

In den letzten Jahren ist die Vermietung von Zimmern über AirBnB und andere Online-Buchungsplattformen rasant gewachsen. Mittlerweile übernachten pro Jahr ca. 770.000 Gäste aus 187 Ländern via AirBnB in Österreich. Das ist eine relevante Größenordnung im Tourismus. „Doch während Tourismusbetriebe brav alle Abgaben bezahlen und Vorschriften einhalten, bewegen sich diese Online-Plattformen in einem nahezu rechtsfreien Raum und an jeglichen Steuerzahlungen vorbei“, sagt Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, gegenüber FM. „Daher wollen wir sie in die Pflicht nehmen. Wer Zimmer vermietet, soll dafür Steuern bezahlen – genau wie es Hotels, Pensionen oder Gasthöfe auch tun müssen.“

"Eine Frage der Gerechtigkeit"

In die Pflicht genommen sollen sowohl die Plattformen als auch die Vermieter werden. Das sei eine Frage der Gerechtigkeit, meint Köstinger. Konkret bedeute dies: Die Meldepflicht für Plattformen kommt. Und die Regierungspflicht für Vermieter kommt - einfach in der Anwendung: digital mit wenigen Klicks über die neue Plattform oesterreich.gv.at. Zudem wird Österreich die geplante EU-Richtlinie, wonach Buchungsplattformen alle Buchungen und Umsätze den Behörden bekannte geben müssen, bereits 2020 umsetzen.

„Mit diesem Paket gehört Österreich zu den internationalen Vorreitern in diesem Bereich“, hebt die Ministerin hervor. „Wir haben uns darauf verständigt, dass Bund und Länder ein einheitliches Registrierungssystem für Zimmervermieter erarbeiten und umsetzen wollen.“ Dazu werde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Ziel seien faire, transparente und gerechte Rahmenbedingungen sowohl für gewerbliche und Zimmervermieter als auch für digitale Zimmervermittler.

„Ehrliche Hosts verlieren nichts“

Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), ist froh, dass die EU-Richtlinie zur Meldepflicht für die Sharing Economy schon 2020 umgesetzt wird. Zumal im Vorjahr bereits alleine über die größte Sharing Plattform 770.00 Gäste ihren Urlaub in Österreich gebucht haben. „Noch besser, dass eine unbürokratische Online-Registrierung für Hosts die Meldepflicht begleitet“, meint Gratzer weiter. „Ehrliche Hosts verlieren dabei nichts. Sie werden behandelt wie jeder Selbständige und Unselbständige.“ Umso wichtiger, da Erfahrungswerte fehlen, sei: auf Praktiker zu hören. „Die öffentliche Hand profitiert von Mehreinnahmen. Und der ehrliche Steuerzahler verliert das ungute Gefühl, mit seiner Ehrlichkeit draufzuzahlen: Er wird es nicht vermissen!“

"Eigentlich profitieren davon alle"

Auch Hans J. Pfisterer, Geschäftsführer der NetHotels GmbH, hält die Registrierungspflicht für alle professionellen Hosts & Online Zimmervermieter für richtig. Sie schafft aus seiner Sicht faire Marktverhältnisse und stärkt den Standort. „Eigentlich profitieren davon alle“, meint er. „Die Vermieter kommen aus dem Graubereich und können nun offensiv Marketing betreiben. Die Kunden haben eine bessere Auswahl und die Kommunen mehr Steuersicherheit. Schwieriger wird es für private Anbieter, die kein touristisches Vertriebsnetzwerk haben. Hier werden die nun höheren Kosten für eine qualitative Verbesserung des Angebots sorgen.“ Die Umsetzung des Gesetzes sei schon lange fällig gewesen. „Ich bin in diesem Aspekt sehr zufrieden mit der Arbeit der Regierung“, resümiert Pfisterer. „Die neuen Taxirichtlinien halte ich jedoch für einen Rückschritt.“

„Anlassgesetzgebung nach dem Motto: Wir tun eh was“

Kritischer sieht die Thematik Harald Hafner vom Travel Industry Club Austria. Auf den ersten Blick sei die Registrierungspflicht eine gute Idee, meint er. Die Regelung würde für mehr Fairness sorgen und die „schwarzen Schafe“ enttarnen. „Auf den zweiten Blick ergeben sich jedoch erhebliche Schwierigkeiten, da sich Plattformen auf die Position des Vermittlers zurückziehen und von einer Registrierung absehen“, befürchtet Hafner. "Ändern wird sich wenig, da die bereits bestehenden Vorgaben nicht eingehalten werden. Ich kann mich daher des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich dabei um eine Anlassgesetzgebung nach dem Motto ,Wir tun eh was' handelt, die letztendlich nicht exekutiert wird."

Der Touristiker nennt ein Beispiel: In Wien (Bezirke 1 bis 9 und 20) sei es nicht erlaubt, Kurzzeitvermietungen anzubieten. Ein Blick auf die gängigen Plattformen zeige jedoch, dass dieser Vorgabe nicht entsprochen wird. Hafner: „Die Behörden schreiten nicht ein, weil diese Wichtigeres zu tun haben als Privatzimmervermieter aufzuspüren und zu verfolgen. Ausweg aus diesem Dilemma wäre, wenn andere Wohnungseigentümer bzw. -mieter die Kurzzeitvermieter anzeigen – nur wer macht das schon?“

 

KaM

Bildcredit: BMNT/Paul Gruber