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Lebensmittel "made in Austria" sollen leichter erkannt werden können

Alleingang bei Herkunftskennzeichnung?

Das Nachhaltigkeitsministerium will Pflichtangaben zur Herkunft ausländischer Lebensmittel.

Grundsätzlich regelt die EU Herkunftskennzeichnungen. Und sie baut die Vorgaben für Hauptzutaten bei Lebensmitteln ab 1. April 2020 weiter aus. Ab dann wird die Herkunft der Hauptzutat zwingend zu deklarieren sein, sofern diese von der angegebenen Herkunft des Lebensmittels abweicht. In der Praxis bedeutet das, dass ab 1. April 2020 beispielsweise auf einer Wurst mit einem Hinweis auf „Österreich" anzugeben ist, woher das Fleisch stammt, wenn dieses nicht aus Österreich kommt.  

Die Angabe der Herkunft bei gewissen Lebensmitteln ist EU-weit bereits jetzt geregelt. Das gilt u.a. für frisches verpacktes Fleisch, Honig, Fisch, Olivenöl, frisches Obst oder Gemüse, frische Eier, Bio-Lebensmittel. Davon abgesehen, ist auf Lebensmitteln die Herkunft zu deklarieren, sollten andernfalls die Verbraucher getäuscht werden.

Nun hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus jüngst einen Vorschlag präsentiert, noch heuer über die EU-weite Regelung hinausgehende nationale Verpflichtungen einzuführen. Konkret geht es beispielsweise darum, auf Pflichtangaben zur Herkunft ausländischer Lebensmittel zu setzen. Das klingt aufs Erste gut, zumal dadurch österreichische Hersteller bevorzugt werden sollen. Und den Konsumenten mehr Transparenz geboten wird.

Heimische Bäuerinnen und Bauern stärken

So sprachen sich denn auch Vertreter der Bäuerinnen und Bauern beim Bundesbäuerinnentag 2019 im Congress Salzburg für eine Stärkung der Sicherheit und des Vertrauens in heimische Lebensmittel aus. Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, versprach, dass Österreichs Konsumenten künftig die Möglichkeit haben sollten, bei Lebensmitteln bewusst auf hochwertige Produkte der heimischen Bäuerinnen und Bauern zu setzen und nicht auf billige Massenware von internationalen Großkonzernen. „Die Herkunftskennzeichnung ist eines meiner großen Anliegen im heurigen Jahr. Sie wird uns helfen, das Vertrauen gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten zu stärken“, hob sie hervor. „Deshalb werde ich alles dafür tun, dass wir 2019 zwei wesentliche Punkte auf den Weg bringen: eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung zum einen für verarbeitete Produkte und zum anderen in der Gemeinschaftsverpflegung.“

Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, der Landwirtschaftskammer, sowie Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft wolle sie noch heuer ein machbares System erarbeiten: „Ich bin überzeugt, dass die verpflichtende Herkunftskennzeichnung eine wichtige Chance für unsere bäuerlichen Familienbetriebe darstellt und dazu beiträgt, den Wert österreichischer Lebensmittel weiter zu steigern. Das sind wir unseren Bäuerinnen und Bauern schuldig", unterstrich die Ministerin.

Aufschrei der Lebensmittelindustrie

Doch nicht jeder ist so happy mit den Ankündigungen. „Der präsentierte Vorschlag berücksichtigt leider nicht ausreichend, dass unsere heimischen Hersteller im internationalen Wettbewerb um die Regalplätze konkurrenzfähig bleiben müssen“, argumentiert Geschäftsführerin Katharina Koßdorff vom Fachverband der Lebensmittelindustrie in einer Aussendung. Warum das? In der Praxis würde der diesbezügliche Alleingang Österreichs laut Koßdorff bedeuten: Rohstoffe müssten nach Herkunft räumlich getrennt werden und zwar bei Anlieferung, Lagerung, Verarbeitung und Weiterverarbeitung. Damit wären z.B. extra Lagerräume/Silos/Tanks sowie nach Herkunft der Rohwaren getrennte Verarbeitungsschritte pro Produktcharge unumgänglich. Die zusätzlichen Investitionen und den weiteren Administrationsaufwand hätte nur die österreichischen Lebensmittelunternehmen zu tragen. Sie kämen noch zu bereits bestehenden Produktions- und Logistikprozessen hinzu, wie z.B. für Bioprodukte. Somit würden letztlich heimische Hersteller gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligt, nicht bevorzugt.

Österreich sollte sich vielmehr für die laufende Weiterentwicklung der EU-Rechtsvorschriften in diesem Bereich engagieren, meint Koßdorff. Denn nur EU-weit einheitliche Vorgaben seien im Wettbewerb nicht diskriminierend. Zudem könnten freiwillige Herkunftssysteme in Österreich, wie das AMA-Gütesiegel oder Biosiegel, gefördert werden.

Die Diskussionen versprechen noch spannend zu werden, zumal sie auch die Gastronomie und die Touristik betreffen.

PA/red/KaM

Bildcredit: pixabay.com