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© pixabay/hans

Urteil nach Kuh-Attacke bereitet Sorgen

Das Miteinander von Landwirtschaft, Freizeitwirtschaft und Tourismus werde gefährdet.

Das zivilrechtliche Urteil gegen einen Bauern nach einer tödlichen Kuh-Attacke im Jahr 2014 in Tirol hat am Freitag auch die Gemüter der heimischen Politik erregt. Bei aller Tragik sei für ihn das Urteil nicht nachvollziehbar, meinte etwa Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Während die Grünen vor Folgen warnten, sah der Bauernbund eine "Katastrophe" und der Wirtschaftsbund "fatale Konsequenzen".

Sollten auch die weiteren Instanzen diese Rechtsmeinung bestätigen, dann werde das ohne Zweifel tiefgreifende Auswirkungen auf die Tiroler Landwirtschaft und auf die gesamte Freizeitnutzung der Tiroler Bergwelt haben, mit allen negativen Konsequenzen sowohl für Gäste als auch für alle Einheimischen, warnte der Landeshauptmann und Tourismusreferent. Auch die seit Jahrhunderten praktizierte Form der Almbewirtschaftung stehe auf dem Spiel. Er stelle sich "ganze klar und unmissverständlich" auf die Seite der Tiroler Bauern und hoffe, dass die Berufung Erfolg haben wird, so Platter.

"Es ist sehr tragisch, dass es zu dieser tödlichen Attacke gekommen ist und das ist für niemanden leicht", erklärte der Landwirtschaftssprecher der Tiroler Grünen, Georg Kaltschmid, in einer Aussendung. Die Schlussfolgerung könne aber nicht sein, dass Bauern de facto ihre Kühe nicht mehr frei auf der Weide halten können bzw. sie ständig überwachen müssen. Die existenzgefährdende Strafe sei gegen jede Vernunft und Lebensrealität. Auch Kaltschmid hoffte auf eine Aufhebung des Urteils.

"Dieses Urteil ist eine Katastrophe für die Alm- und Weidewirtschaft in Tirol und hat verheerende Auswirkungen bereits für den heurigen Almsommer", meinte Tiroler ÖVP-Bauernbundobmann und LHStv. Josef Geisler. Sollte das Urteil in den weiteren Instanzen bestätigt werden, sei zu befürchten, dass das Miteinander von Landwirtschaft, Freizeitwirtschaft und Tourismus in der gewohnten Art und Weise kein Fortbestehen mehr haben werde, so Geisler. Eigenverantwortung und Hausverstand sollten wieder mehr Einzug halten, mahnte Bauernbund-Präsident und Abg. Georg Strasser ein. Dass Hunde auf Weiden ein Problem seien, werde seit Jahren propagiert. Es brauche klare Spielregeln, die ein Miteinander auf den Almen gewährleisten, forderte Strasser.

Abg. Franz Hörl, Obmann des VP-Wirtschaftsbundes, sprach von einem "Urteil mit fatalen Konsequenzen weit über die gesamte alpine Landwirtschaft hinaus". "Mit der Begründung, dass aufgrund eines ausgewiesenen Wanderweges eine Umzäunung notwendig gewesen wäre, wird die landwirtschaftliche Nutzung der Freizeitnutzung untergeordnet", meinte Hörl. Damit klammere das Gericht nicht nur den Wert der Bewirtschaftung der Almen, sondern auch die Anforderungen an die menschliche Eigenverantwortung aus. Schließlich sei mit Hinweisschildern auf wichtige Verhaltensregeln hingewiesen worden, sagte Hörl.

(APA/red)