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Seit September ist Susanne Kraus-Winkler neue Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Kraus-Winkler ist seit über 30 Jahren als Hotelière aktiv und engagiert sich ebensolange für die Tourismusbranche – sowohl auf heimischer als auch auf europäischer Ebene. Im FM-Interview erzählt sie, welche Prüfungen auf die Branche zukommen.

 

FM: Sie sind seit Oktober Obfrau des Fachverbands Hotellerie. In der Wirtschaftskammer sind Sie aber schon länger aktiv. Welche Aufgaben wer- den Sie als Erstes angehen?

Susanne Kraus-Winkler: Ich habe diese Aufgabe übernommen, weil unser Fachverband aus meiner Sicht modernisiert und restrukturiert werden sollte, um fit für die zukünftigen Herausforderungen zu sein. Das haben wir auch im Europäischen Hotel- und Gastronomieverband HOTREC so gemacht. Heutzutage müssen Verbände schneller, exibler, punktgenauer und kompakter arbeiten als vor 10 Jahren. Zur Neugestaltung von Gesetzen kann man sich nicht mehr so viel Zeit wie früher nehmen. Es braucht auch eine stärkere Ver- schränkung von Hotellerie und Gastronomie: Hier überschneiden sich sehr viele Themen. Als Fachverband stehen wir vor einer völlig neuen Herausforderung. Wir stehen viel stärker unter dem Druck, zu handeln – einerseits von den Fachgruppen, unseren Mitgliedern in den Bundesländern, und diese wiederum spüren den Druck ihrer Mitglieder.

Mit den Modellen der Vergangenheit können wir die Zukunft nur bedingt in Angriff nehmen. Wir müssen die Form unserer Zusammenarbeit intensivieren und die Art, wie wir Themen angehen, verändern. Gleichzeitig muss man Altbewährtes da und dort auch beibehalten. Es braucht viel mehr an Flexibilität in der Herangehensweise und der Problembewältigung. Es braucht auch mehr Transparenz in der internen Kommunikation und Klarheit in der Kommunikation nach außen. Wir müssen außerdem unsere Synergien noch mehr bündeln, um zukunftsfähige Modelle entwickeln zu können. Ganz leicht ist das natürlich nicht, denn jede Veränderung bedeutet auch ein mehr an Belastung und manchmal auch da und dort Gegenwind.

FM: Als Hotel- beziehungsweise Wirtshauskind kennen Sie die Branche von klein auf. Was sind Ihre prägendsten Erinnerungen aus dieser Zeit?

Kraus-Winkler: Meine Großmutter, die sehr jung Witwe geworden ist, hat in Großenzersdorf das „Gasthaus zur Sonne“ und eine große Landwirtschaft ganz allein geführt. Sie war die Küchenchefin und hat schon sehr früh angefangen, regionale Produkte – wie zum Beispiel Spargel – zu verfeinern. Sie galt als die „Sacher des Marchfelds“. Für mich hat sie die Jahreszeiten perfekt in die Küche gebracht – das ist mir bis heute eine schöne und wertvolle Erinnerung. Mein Vater hat dann später das „Hotel am Sachsengang“ eröffnet, wo ich gelernt habe, wie ein Hotel funktioniert. Obwohl ich im Tourismus groß geworden bin, habe ich eigentlich eine damals noch sehr unübliche Ausbildung gemacht: Nach der Matura in einem neusprachlichen Gymnasium habe ich Betriebswirtschaftslehre auf der Wirtschaftsuniversität studiert. Als ich dann selbst in die Hotellerie eingestiegen bin, war das ein Vorteil: Ich konnte mein Wirt- schaftswissen auf den Tourismus herunterbrechen.

FM: Der Fachkräftemangel ist eine der großen Herausforderungen der Hotellerie. Was müsste unternommen werden, um dieses Problem in den Griff zu kriegen?

Kraus-Winkler: Da gibt es viele Ursachen. Eine der wichtigsten ist sicherlich, dass der Tourismus extrem gewachsen ist und wir durch die Digitalisierung in weltweitem Mitarbeiterwettbewerb stehen. Ein weiterer Grund ist, dass die Arbeit im Tourismus andere Rahmenbedingungen hat, vergleichbar mit anderen Branchen, in denen die persönliche Dienstleistung im Vordergrund steht. Um den Fachkräftemangel zu mildern, wäre es auch gut, wenn die Rot-Weiß-Rot-Karte leichter zugänglich und weniger bürokratisch wäre.

In der Ausbildung hat sich auch wieder viel getan und einiges ist noch in Vorbereitung. Die duale Ausbildung in Österreich ist noch immer eines der großen Erfolgsmodelle. Schauen Sie sich das Abschneiden der Österreichischen Teams bei den letzten EuroSkills an. Die gastgewerblichen Ausbildungsausschüsse werden unter der Führung unseres Bundesausbil- dungsleiters an der nächsten Qualitätsoffensive Tourismusausbildung arbeiten. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten im Tourismus. Die Frage ist nur, ob diese unterschiedlichen Modelle genug Flexibilität hinsichtlich der Anforderungen an das zukünftige Berufs-Knowhow mitbringen, um die Menschen langfristig in der Branche zu halten. Die Lehrpläne und manche schulischen Rahmenbedingungen sind teilweise noch recht starr – und es könnte dauern, bis sich da etwas fundamental ändert.

Es gibt aber auch positive Beispiele: Die Wirtschaftskammer in Vorarlberg und die Fachgruppen Hotellerie und Gastronomie in Salzburg setzen mit neuen Ausbildungsmodellen gezielt auf Quereinsteiger oder moderne Ausbildungszugänge, weil auch da ein großes Potenzial liegt. Der zertifizierte Lehrgang der neuen Diplomakademie Tourismus in Salzburg zum Beispiel dauert zwei Jahre und wird nach Kollektivvertrag entlohnt.

FM: Österreich ist ein Tourismusland, trotzdem ist das Ansehen touristi- scher Berufe nicht sonderlich hoch. Wie könnte das geändert werden? Kraus-Winkler: Auch hier gilt, dass ein Imagewandel nur passieren kann, wenn an vielen kleinen Schrauben gedreht wird – eine Patentlösung gibt es nicht. In unserer Branche gibt es immer wieder Stoßzeiten – Druck gehört zum Geschäft. Die Arbeit in der Hotellerie und Gastronomie ist, wie sie ist: Es gibt Tageszeiten mit mehr Druck, denn die meisten Leute wollen nun einmal mittags zwischen 12 und 14 Uhr essen, und die Arbeit am Gast erfordert, dass man gerne mit Menschen arbeitet und weiß, wie man mit Gästen in allen Situationen richtig umgeht, wie man Service richtig lebt. Das alles muss zur Persönlichkeit des Mitarbeiters passen. Den Herausforderungen im Alltag eines Hotels oder Gastronomiebetriebs kann man mit guten Organisationsstrukturen und Professionalität begegnen. Da sind die Führungskräfte gefordert, um die Qualität der Organisationsstrukturen und die betrieblichen Arbeitsabläufe sowie eine gute Unternehmenskultur und Kommunikation für alle im Betrieb zu garantieren.

 

Das vollständige Interview finden Sie im FM 2/2018

Bildcredit: Isabella Abel