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Es wird Zeit, dass Kurz & Co. das AMS-Debakel beenden und die Dilettanten heimschicken

 

Zwei geläufige Sprichwörter treffen meine Lebenssituation derzeit am besten. Sie lauten: „Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.“ Und: „Totgesagte leben länger.“

Als ich mich vor Jahr und Tag von Ihnen verabschiedet habe und Sie bat, nach über 40 Jahren meinem Nachfolger dasselbe Vertrauen entgegenzubringen wie mir, ahnte ich nicht, dass ich mit ihm auf das falsche Pferd gesetzt hatte.

Freilich habe ich die Zeit der Neu-Übernahme als Sabbatical sorgfältig genützt. Als ich mir zum Jahresende 2017 unsere Medien zurückholte und meinen Nachfolger nach Hause schickte, verspürte ich etwas, was mir all die letzten Jahre abgegangen war: Ich hatte in der ersten arbeitsfreien Zeit meines Lebens Energie, frischen Mut und neue Kreativität getankt. Die leeren Batterien waren plötzlich wieder gefüllt, der Spaß und die Freude am Medien-Machen zurückgekehrt. Also habe ich nun beschlossen, das Unternehmen vorderhand bis 2020 weiterzuführen. Für die vielen Glückwünsche dazu, den Ansporn und die ehrlich empfundene Freude in den Augen all derer, denen ich offenkundig abgegangen bin, kann ich mich nur mit einer kleinen Träne in den Augenwinkeln bedanken.

Sohin halten Sie wieder einmal ein fettes FM in Händen.

Mit einer Titelgeschichte über Catering. Eine erstaunliche Branche. Einer der ganz Großen (ich werde mich hüten, den Namen zu nennen, aber es ist eh ein offenes Branchen-Geheimnis) setzt noch immer Pfuscher ein. Wieso man damit durchkommt, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Wie man es schafft, seinen Mitarbeitern das vom Gast ausgefolgte Trinkgeld zu entziehen, dasselbe frech dem Unternehmensgewinn zuzuschlagen (so einer pfeift wohl aus dem letzten Loch und handelt nach der Maxime „Gier ohne Ende“), und danach nicht öffentlich vorgeführt zu werden, entzieht sich detto meinem Verständnis.

Wieso Kunden tolerieren, dass der Mitarbeiter eines prominenten Anbieters auf einem Event ihre Gäste niederschreit, weil die die angebotenen Appetithäppchen (wegen zu hohem Gäste-Andrang) auch in den Vorräumen der Location verspeisen, geht auch nicht in mein Hirn hinein.

Sohin scheint das Hauptmanko dieser Branche wohl ein Personal-Problem zu sein.

„Und warum holt man sich jene Mitarbeiter, die man braucht, nicht vom AMS?“, frug mich jüngst mein Freund Gustav.

Wie naiv ist das denn. Die beiden AMS-Vorstände sind, wie wir den Medien täglich entnehmen, vorrangig damit beschäftigt, sich mit der Regierung herumzuschlagen. Da wird die Diskussion von denen mit giftigen Statements noch zusätzlich angeheizt. Und dann zahlt das AMS – wegen Fehlberechnungen – 20 Millionen Euro an Mindestsicherung zurück. Damit denen nicht fad wird.

Wer – so wie wir für unseren Schlossbetrieb in Kärnten – Personal braucht, der muss durch ein grausliches AMS-Bürokratie-Dickicht kriechen. Beratung bekommen? „Für Sie ist Poldi Wondraschek (Name geändert) zuständig. Der ist die nächsten zehn Tage nicht da. Sie können ihn dann ja wieder kontaktieren.“ Nach drei bis vier Wochen bekommt man dann die ersten Vorschläge von möglichen arbeitswilligen Mitarbeitern. Die wir bereit sind, deutlich über KV zu entlohnen. Mit hervorragenden Sozialleistungen. Von den 18 vom AMS vorgeschlagenen Mitarbeitern, die wir ausnahmslos zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen haben, sind immerhin vier erschienen. Einer war arbeitsbereit. Die anderen wollten Bestätigungen (?!), dass sie sich vorstellen waren. Mehrere haben mir mitgeteilt, dass sie Vorstellungstermine deshalb nicht wahrnehmen können, weil sie in Kursen sind und sie dort nicht unentschuldigt fernbleiben können. Was deshalb völlig pervers ist, weil das AMS die Kurse ja nur deshalb veranstaltet, um die Chancen der Teilnehmer am Arbeitsmarkt zu verbessern. Wenn ich dem/der Betreffenden also ein Vorstellungsgespräch und damit eine gute Chance auf einen Job einräume, dann kann unsere Einladung nicht wahrgenommen werden, weil sonst ein Kurstermin versäumt wird? Ich glaube, ich spinne.

Schlussendlich war dann einer bereit, bei uns zu arbeiten. Vier Tage lang war er für uns tätig. Danach hat er mitgeteilt, dass die Differenz zwischen seiner „Arbeitslosen“ und unserem Nettolohn nur 300 Euro im Monat sind. Sein Kommentar war: „Für drei Hunderter mehr – da bleib ich lieber zu Haus und tu nix.“

Herr Bundeskanzler, Herr Vizekanzler, Sie haben uns einen frischen Wind versprochen. Jeder Unternehmer, der mit dem AMS jemals zu tun hatte, weiß, wovon ich hier spreche. Zerschlagen Sie das unfähige Management. Vaporisieren Sie das verlogene System von versteckter Arbeitslosigkeit, kaschierter Arbeitslosigkeit, maskierter Arbeitslosigkeit. Machen Sie Schluss mit der sinnlosen AMS-Bürokratie. Und sorgen Sie bitte dafür, dass wir in Handel, Dienstleistung und Gewerbe eine schlagkräftige Institution bekommen, die uns jene Arbeitskräfte verschafft, besorgt, vermittelt, ohne die eine erfolgreiche Wirtschaft nicht gedeihen kann. Das wünscht sich im Namen der gesamten Branche

 

Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

 

PS: Gewünscht habe ich mir von Vizekanzler Heinz-Christian Strache, dass sich etwas in Sachen Schulskikurse bewegt. Sein diesbezüglich abgegebenes Versprechen ab Seite 20 lässt Hoffnung keimen...

Bildcredit: Archiv