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Die globale Erwärmung als Glaubensfrage: Peter Schröcksnadel, Unternehmer und Präsident des ÖSV, sorgte mit dieser Aussage für Stirnrunzeln. FM bat die ÖSV-Legende zum Interview und suchte bei Dr. Marc Olefs, Leiter der Klimaforschung der ZAMG, fachlichen Rat.

 

FM: In einer Talk-Show auf „Servus TV“ haben Sie die Klimaerwärmung rela- tiviert. Was genau sind Ihre Gedanken dazu?

Prof. Peter Schröcksnadel: Die Folgen der Klimaerwärmung, ob sie so stattfinden werden oder nicht, sind ein anderes Thema. Aber sie spielen für uns, im Skisport, keine Rolle. Die derzeitige Prognose liegt bei 1,5 Grad in den nächsten 50 Jahren. Vor 15 Jahren waren die Prognosen bei 3-5 Grad. 1,5 Grad würden ohnehin keine Rolle spielen. Wesentlich ist, wie viele kalte Tage es zu Anfang der Saison und während der Saison gibt. Wenn die kalten Tage auch ein bisschen wärmer werden und es statt zehn Grad minus nur acht Grad minus hat, dann spielt das auch keine Rolle. Naturschnee ist für ein Skigebiet in keinem Fall mehr ausreichend. Gäste erwarten eine hohe Qualität, egal ob Natur- oder Maschinenschnee. Die Frequenzen sind von früher, wo die Gäste mit Einzelsesselliften befördert wurden, von 500 auf 2000-3000 gestiegen. Die Piste wird viel mehr beansprucht, und Naturschnee ist nicht mehr ausreichend.

Dr. Marc Olefs: Wenn davon gesprochen wird, dass die Prognosen schon einmal bei plus fünf Grad waren und heute angeblich nur bei 1,5 Grad sind, muss man das ansprechen. Die Sachstandsberichte des Klimarates haben 1990 mit dem ersten Bericht begonnen, der aktuellste ist von 2014. (Vor wenigen Wochen ist zudem ein Special Report zum 1,5 Grad-Ziel des Paris-Abkom- mens erschienen, Anm.) Wenn man sich das ansieht, kann man sehr schön nachverfolgen, was die Klimamodelle damals gesagt haben und was man heute sagt. Die Zahlen sind nämlich sehr ähnlich geblieben. Im Worst Case-Szenario, wenn keine Klimaschutzmaßnahmen getroffen werden, reicht die erwartete Bandbreite des Temperaturanstiegs bis zum Ende des Jahrhunderts von +2,6 bis zu +4,8 Grad. (Beim ersten Sachstands- bericht im Jahr 1990 waren es +2,8 bis +6,2 Grad, Anm.) Wobei der Wert von plus vier Grad, der meist in den Medien kursiert, ein Mittelwert der verschiedenen Klimamodelle ist. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die plus fünf Grad entsprechen einem damals extremeren Klimamodell und die plus 1,5 Grad sind etwas, was man sich heute als Ziel gesetzt hat, um die schlimmsten Konsequenzen zu vermeiden. Auch Österreich hat sich im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet, die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Modelle haben 1990 ungefähr das Gleiche gesagt wie heute. Was sich geändert hat, ist die methodische und technologische Wei- terentwicklung. Sie hat vor den Naturwissenschaften nicht Halt gemacht. Das Vertrauen in dichtere Messdaten und in rechenstärkere Klimamodelle hat dazu geführt, dass wir heute über ein besseres Verständnis des Klimasystems verfügen und diese Zahlen mit einem höheren Vertrauen angeben können. Wir können heute besser abschätzen, welche konkreten Auswirkungen uns bis zum Ende des Jahrhunderts unter vorgegebenen Szenarien der Wirtschaftsentwicklung und mehr oder weniger starken Klimaschutzmaßnahmen erwarten.

FM: Und wenn die kalten Tage ebenfalls weniger werden?

Schröcksnadel: Ich lasse mich nicht auf Vermutungen ein. 1,5 Grad ist schon sehr stark relativiert. Mir kommt eher vor, das ist mehr eine Glaubensfrage als eine wissenschaftliche Frage: Glauben Sie an den Klimawandel oder glauben Sie nicht daran?

Olefs: Wenn die Durchschnittstemperatur steigt, sinkt auch die Anzahl der kalten Tage. Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Jahrzehnten immer wärmere Winter zu erleben, steigt von Jahr zu Jahr, unabhängig davon, ob es zwischendrin mal kältere Winter gibt. Man darf nicht alles über einen Kamm scheren. Es gibt lokale Klimaeffekte wie Inversionswetterlagen, die für die technische Beschneiung wichtig sind, oder auch Starkniederschlagsgebiete wie am Arlberg. Somit kann man die klimatische Situation am Arlberg nicht mit der am Alpenostrand vergleichen. Wenn man dezidiert die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Skige- biete meint, also wie sich die Dauer der Skisaison oder die Anzahl der technisch beschneibaren Tage ändert, muss man sich die klimatischen Gegebenheiten im jeweiligen Skigebiet detailliert ansehen.

 

Die vollständige Coverstory lesen Sie im FM 2/2018

Bildcredit: Adobe Stock