Personalkrise II

Lokalbetreiberinnen und -betreiber haben es seit Beginn der Corona-Pandemie besonders schwer. Von der Registrierungspflicht und dem damit verbundenen Aufwand, über unvorteilhafte Sperrstundenregelungen, Lieferengpässe, ausbleibende Kunden, bis hin zum Lockdown bekam die Branche die volle Breitseite ab. Fazit: Finanzielle Verluste der Extraklasse, für manche der Konkurs.

Doch die Branche ist nicht erst seit dem Jahr 2020 eine harte, der Mangel an Arbeitskräften somit auch kein reines Krisensymptom. In Restaurants, Cafés oder Bars zu arbeiten, als Caterer oder Saisonhilfe bei Veranstaltungen wie etwa dem Oktoberfest oder auf Skihütten unterwegs zu sein, kann enervieren und schlimmstenfalls ausschlaggebender Indikator für ein komplettes Burnout sein. Der Personalmangel in diesem Gewerbe sowie die immens hohe Personalfluktuation erweisen sich daher als wenig verwunderlich.

Faktor Wertschätzung

„Wenn man seitens seines Chefs als unzuverlässig oder faul diffamiert wird, und das obwohl man an einem freien Tag spontan für einen Kollegen eingesprungen ist, trifft einen das schon recht hart“, erklärt Sabine P. im Gespräch über ihre Erinnerungen an ihre Zeit in der Nachtgastronomie. Die heute 27-Jährige verdingte sich neben ihrem Studium als Kellnerin in einem Irish-Pub, wo sie seitens des Betreibers selten Lob, jedoch regelmäßig Tadel erfahren musste. Ganz im Gegensatz zu den Stammgästen, die P. als stets freundlich und engagiert lobten. Die Frage, womit ihr Chef den Vorwurf der Faulheit argumentierte, beantwortet die junge Frau wie folgt: „Ich wollte keine Überstunden machen. Logisch, weil ich sie nicht bezahlt bekommen habe.“

Bernhard F. ging es da ähnlich. Ihm wurden nicht nur die Überstunden nicht bezahlt, sondern auch insgesamt ein viel zu geringer Stundenlohn. „Der Leistungsdruck war extrem, die Bezahlung ein Witz“, erinnert er sich. Auch die Arbeiterkammer bestätigt, dass es keine andere Branche gibt, in der häufiger gegen Arbeitsrecht verstoßen wird als in der Gastronomie. „Trinkgeld durfte ich nicht behalten. Das blieb in der Kassa des Unternehmens. Mein Chef konnte nicht oft genug betonen, dass derjenige sofort fliegt, den er beim ‚Trinkgeld fladern‘ erwischt.“

Dass die monetäre Ebene durchaus eine der Wertschätzung darstellt, ist in der Geschäftswelt kein Geheimnis. Esra K. hatte auch genug von seiner unterbezahlten Tätigkeit als Pizzakoch. „60 Stunden pro Woche waren sowieso Standard. Meist wurden es aber 80 und mehr. Die Öffnungszeiten der Pizzeria waren ohnehin schon bis 22 Uhr. Aber oft kommen Gäste noch eine Viertelstunde vor Geschäftsschluss und werden dann noch bedient. Trotzdem die Pizzeria ein Tagbetrieb ist, bin ich selten vor 01:00 Uhr nachts ins Bett gekommen.

Christoph Hahn

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