Chance für Hotelliers

Die Regierungsverhandlungen sind laut ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer ein Anstoß, den Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie zu überwinden.
© ÖHV/Flo Lechner

ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer

Wer bei den Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen nur die Gegensätze hervorhebt, macht es sich einfach, heißt es in einer Aussendung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Tatsächlich seien die Chancen um vieles spannender als die Herausforderungen. „Daran wird der Erfolg gemessen“, hält ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer, fest. Den Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie zu überwinden sei eine ständige Herausforderung. Darin sieht sie – selbst Inhaberin und Geschäftsführerin eines ganz bewusst nachhaltig geführten Unternehmens – aber gleichzeitig eine Vielzahl an Chancen.

Intakte Umwelt

Dafür, dass ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen müssen, ist der Tourismus das beste Beispiel, heißt es in der Aussendung weiter: „Wer erfolgreich sein will, braucht Mitarbeiter und eine intakte Umwelt. Was im Kleinen für die Branche gilt, gilt auf lange Sicht für den gesamten Standort“, wünscht sich Reitterer, dass die politischen Rahmenbedingungen danach ausgerichtet werden. Die Prioritäten für den Tourismus könnten auf die gesamte Wirtschaftspolitik umgelegt werden. Dazu gehöre eine Öko-AfA genauso wie eine ökologische Steuerreform und ein praxisnahes Grünbuch zu mehr Nachhaltigkeit. Bewusstseinsbildung und effektive Anreizsysteme sollen Lebensmittelabfälle, CO2 und Plastikmüll reduzieren. Auch die Steuerung der Gästeströme und eine Balance zwischen dem überreglementierten Gewerbe und der vollkommen unregulierten Sharing Economy hätten als Beiträge zu einem nachhaltigen Tourismus hohe Priorität: „Machen wir Österreich zur nachhaltigsten Destination der Welt!“

Chancen Steuerreform, Arbeitsmarkt, Digitalisierung

Die Ökologisierung des Steuersystems müsste mit einer nachhaltigen Entlastung verbunden sein, um Kritikern vorweg den Wind aus den Segeln zu nehmen, so die ÖHV-Präsidentin weiter. Damit müsse auch die unverzichtbare Entlastung des Faktors Arbeit einhergehen. Investitionen in Nachhaltigkeit und in die regionale Wirtschaft sollten gezielt forciert werden.

Arbeitsmarktpolitisch sieht Reitterer in einer Rückkehr zum Augenmaß die große Chance: „Wir haben offene Stellen, machen wir sie attraktiver!“ Die erfolgversprechendsten Hebel sieht die Branchenvertreterin in einer effektiven Steigerung der Nettolöhne auch durch eine ökosoziale Steuerreform, den Ausbau der Kinderbetreuung, eine Lehrlingsoffensive mit Fokus auf mitarbeiterintensive Dienstleister mit Arbeitsplatzgarantie in der Region und die Förderung für Mitarbeiterunterkünfte.

Ganz oben auf die Prioritätenliste müsse zudem eine praxisnahe Digitalisierungsstrategie stehen: „Wir fantasieren seit Jahren von 5G. Dabei scheitern wir schon an der digitalen Pflichtveröffentlichung.“ Auch elektronische Meldezettel seien „keine Raketenwissenschaft. Trotzdem bleiben wir beim Zettelwerk aus der Monarchie. Da sehe ich noch viel ungenutztes Potenzial.“ Der zunehmenden Marktmacht der Plattformen will Reitterer durch bessere Qualifikation im Direktvertrieb begegnen und die Position der KMU stärken. Licht in den Wildwuchs der Sharing Economy würde schließlich und ausschließlich eine Registrierungsverpflichtung für die Hosts bringen: „Da funktioniert nichts anderes.“

Ja zu eigenem Ministerium

Unabhängig von Spekulationen über Ressorts und Köpfe begrüßt Reitterer die aktuelle Konstellation der Ministerien: „Tourismus und Nachhaltigkeit in einem Ressort mit der Regionalpolitik macht viel Sinn! Das hat man in den vergangenen zwei Jahren gesehen.“

PA/red

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