Wer braucht Gastro-Kritiker?

 

Sie sind die Läuse in den Pelzen der Gastronomen – die Kritiker. Doch können sie wirklich Karrieren fördern? Haben sie das Zeug, mit Vorsatz zu zerstören? Wer braucht die selbsternannten "Fress-Päpste"? Oder sind sie überschätzt, überheblich und entbehrlich? FM hörte sich in der Szene um.

 

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Als die Förderung laufen lernte

Dass Filme ein probates Mittel sind, die Vorzüge von Landschaften zu vermitteln, ist lange bekannt. In Österreich wird dieses Mittel zunehmend professionalisiert.


Der erste und wohl auch noch eher unerwartete Tourismuserfolg Österreichs durch einen Film passierte durch den längst zum Klassiker avancierten „Sound of Music“. Julie Andrews wurde durch dieses Musical über die Trapp-Familie zum Star, ebenso wie das Land Salzburg. Touristenströme folgten. Auch die Beatles, die ihre Skifahr-Szenen für den Film „Help“ ebenfalls in Salzburg drehten, sorgten für Aufmerksamkeit.

 

Dies alles zu einer Zeit als der österreichische Heimatfilm unsere Lieblingsnachbarn aus Deutschland für einen Urlaub hierzulande begeisterte.

 

Professionalisierung

War „Sound of Music“ eher zufällig und aufgrund der Filmstory „passiert“, wird nun seit Jahren diese Form der Tourismuswerbung professionalisiert. Begonnen hatte damit das Land Kärnten beziehungsweise dessen Tourismusverband. Kärnten als auch die Wörthersee-Region hat Carl Spiehs die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt, um neben seinen 60er- und 70er-Klamauk-Produktionen in den 1990ern eine TV-Erfolgsstory zu schreiben, die mit der Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ begann und in zahlreichen Fernseh-Klamotten unter der Regie von Otto Retzer endete.

 

Diese Vorgehensweise fand bald zahlreiche Nachahmungen wie beispielsweise „Schlosshotel Orth“. Die Bundesländer begannen schließlich mit einer Diversifizierungsphase, die dazu führte, dass heute vier unterschiedliche Filmförderungsformen im Bereich der Bundesländer vorliegen: Kulturdirektionen der Länder, Fonds, Tourismusverbände sowie die Cine-Institutionen.

 

Derzeit scheint die Ausrichtung der Länder und deren Schwerpunktlegung vorläufig abgeschlossen zu sein. Dabei sind genau betrachtet in jedem Bundesland eigentlich Mischformen der Förderungstätigkeit gegeben. Aber die Förderungen mit Fokus auf Tourismuswerbung sind klar abgesteckt:

 

•    Kulturdirektionen: Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland

•     Fonds: Wien

•     Tourismusverbände: Kärnten, Burgenland

•     Cine-Institutionen: Tirol, Salzburg, Steiermark

 

Cine-Institutionen

Der Vorreiter der Cine-Institutionen war das Land Tirol bzw. der Tourismusverband Tirol. Schon 1998 wurde in Tirol die erste derartige Einrichtung gegründet, mit den Zielen, erstens Filmproduktionen zu subventionieren, die das Land Tirol stark in den Vordergrund stellen, und zweitens internationale Filmproduktionen zu finanzieren, die die Tiroler Filmwirtschaft unterstützen. Dies geschah von Anfang an mit sehr großem Erfolg.

 

„Seit Gründung von Cine Tirol weisen viele Filme ‚made in Tirol‘ eindrucksvoll nach, dass sie filmtouristische Impulse in den Tiroler Regionen setzen und somit ein überaus wichtiges Kommunikationsmittel darstellen“, erläutert Johannes Köck, Head of Cine Tirol Film Commission.

 

So konnte Cine Tirol seit seiner Gründung mehr als 290 Filmproduktionen nach Tirol führen, darunter „Wie im Himmel“, „Die fetten Jahre sind vorbei“, „März“, selbstverständlich TV-Serien wie „SOKO Kitzbühel“ oder „Der Bergdoktor“, aber auch Hollywood-Blockbuster wie „Triple X“ mit Vin Diesel in der Hauptrolle. Großes mediales Echo erfuhr Cine Tirol auch durch den Coup, zahlreiche Bollywood-Filmproduktionen nach Tirol gelotst zu haben. Bollywood-Filme haben die Tradition, in der Mitte des Films eine idyllische, schneebedeckte Berglandschaft im Rahmen einer Liebesszene zu zeigen – eine indische Metapher für die Reinheit der Liebe. Cine Tirol schaffte es, die Vormachtstellung der Schweiz für derartige Produktionen zu durchbrechen.

 

Übernahmen

Weitere Bundesländer übernahmen das Cine-Modell. Insbesondere Salzburg und Steiermark legten die Hauptagenden für Filmförderung mit Fokus auf touristischen Impact in eine neu gegründete Cine-Institution. Dabei blieben die Kulturdirektionen durchaus bestehen, hatten aber vor allem eine künstlerische, avantgardistische Ausrichtung.

 

Die Cine-Modelle verlangen auch eine andere Herangehensweise an die Produktion, die von den Richtlinien des RTR-Fonds abgeleitet sind. Hierbei ist Voraussetzung für eine Subventionierung, dass es zumindest einen LOI (Letter of Intent) mit einem ausländischen Fernsehsender gibt, die Distribution und Ausstrahlung also gewährleistet sind, sowie weitere Fördergeber. Weiters wird sehr genau darauf geachtet, in welcher Form sowohl die Filmwirtschaft des jeweiligen Bundeslandes in die Produktion involviert wird als auch der tatsächliche Anteil der Wahrnehmung des Bundeslandes in der Handlung des Films.

 

Sowohl Cine Salzburg als auch Cine Steiermark sehen darin eine Professionalisierung sowohl in der Vergabe der Fördermittel als auch in der Fokussierung auf die Auswirkung auf den Tourismus. Durch die strikteren Vorgaben wird ein Vorgehen nach dem Gießkannenprinzip vermieden.

 

Chefsache Filmförderung

Aber auch andere Institutionsformen sind sehr erfolgreich und professionell geführt. Allen voran seien die Bundesländer Niederösterreich und Kärnten genannt. Die niederösterreichische Filmförderung ist stark am Tourismus und an der Filmwirtschaft orientiert. Und Landeshauptmann Erwin Pröll hat diesen Bereich auch zur Chefsache erklärt. Nicht nur, dass seine privaten Beziehungen zu Filmproduzenten wie Norbert Blecha bestens bekannt sind. Er lässt es sich nicht nehmen, die zugesagten Förderungsmittel mit – fast – persönlichem Schreiben zu begleiten. Und Niederösterreich hat mit diesem Vorgehen auch sehr große Erfolge. Neben TV-Produktionen wie „Der Winzerkönig“ konnten auch internationale Kino- und TV-Produktionen wie z.B. die Henning-Mankell-Krimis für Niederösterreich gewonnen werden.

 

Mit ein Grund für diesen Erfolg sind auch die Mitarbeiter der Kulturdirektion Niederösterreich, die nicht nur sehr ausgeprägtes Networking betreiben, sondern auch die Möglichkeiten zur Filmförderung bei internationalen Produzentenworkshops wie EAVE vorstellen und sich für Fragen jeder Art zur Verfügung stellen.

 

Die Erfolge von Kärnten im Bereich der Filmförderung durch die Tourismusverbände wurden bereits eingangs erwähnt und führen immer noch vor allem über einen Namen: Carl Spiehs. Er hat es verstanden, Kärnten als Land der Promis, des österreichischen Dolce Vita und der Spaßgesellschaft darzustellen. Sowohl Tourismusverband als auch Politik haben das ihre dazu beigetragen, dieses Image aufrecht zu erhalten.

 

Selbstverständlich muss auch der Filmfonds Wien in diesem Zusammenhang genannt werden, wenngleich die Bedeutung für den Tourismus hierbei weniger stark ausgeprägt, sondern vor allem im Schwerpunkt „Stärkung der Filmwirtschaft“ liegt. Dennoch zeigen gerade die jüngsten Erfolge im österreichischen Film, dass der Filmfonds Wien ausgezeichnet funktioniert und damit auch seinen Beitrag zum touristischen Erfolg der Bundeshauptstadt leistet.

 

27 Prozent

Laut einer britischen Studie lassen sich 27 Prozent der Reisenden durch Kino- und TV-Filme zu einer Urlaubsreise inspirieren. Ein knappes Drittel aller Reisenden ist also durch mediale Darstellungen in der Urlaubsentscheidung beeinflusst. Es wird nicht viele Kampagnen geben, die ein ähnliches Ergebnis liefern. Und insofern ist die nachhaltige Stärkung des Tourismus durch die Filmförderung ein essentielles Vorgehen. Die Amerikaner, Inder, Engländer und Franzosen sind Österreich dabei ohnedies noch weit voraus.

 

Bild: Pressetext

 

 

 

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