Wer braucht Gastro-Kritiker?

 

Sie sind die Läuse in den Pelzen der Gastronomen – die Kritiker. Doch können sie wirklich Karrieren fördern? Haben sie das Zeug, mit Vorsatz zu zerstören? Wer braucht die selbsternannten "Fress-Päpste"? Oder sind sie überschätzt, überheblich und entbehrlich? FM hörte sich in der Szene um.

 

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Reben-Reisen

Umsatz aus der Flasche: Weintourismus ist auf dem Weg vom Geheimtipp zum Renner. Umsatzfantasien werden nicht zuletzt vom Interesse der jungen Zielgruppe gestärkt.Ein sonniger Tag in Wien Döbling. Zahllose Menschen mit Gläsern in der Hand prägen das Bild zwischen Neustift und Nussdorf. Vertreten sind unterschiedlichste Altersklassen und Charaktere, das Feeling liegt irgendwo zwischen lockerem Open Air-Festival und Sonntagsspaziergang mit Familie. Denn jener vornehme Bezirk steht gerade im Zeichen eines Outdoor-Adventures mit Veltliner, Zweigelt und Co. Der Wiener Weinwandertag lockt wieder die Rot-Weiß-Rot-Fraktion zum Ausflug ins Rebensaft-Ambiente.

 

Wer dabei ist, kommt schnell auf den inhaltlichen Geschmack. Es geht um die Entdeckung von Natur und der Arbeit der Hersteller, die am Wegesrand den Praxistest zwischen Achtel und Viertel anbieten. Die Veranstaltung macht Laune, wie (nüchterne) Zahlen signalisieren: Schätzungen zufolge nahmen an der Premiere rund 7.000 Personen teil, zwei Jahre später nutzten bereits 13.000 Interessenten die Mischung aus Gehen und Genießen.

 

Wein wirkt also motivierend für das Freizeitverhalten, auch abseits solcher klassischen Einsatzgebiete wie Heuriger, Gourmetlokal und Wirtshaus. Denn die Tourismusbranche schenkt dem Kunden seit einiger Zeit vermehrt ein. Was als zartes Pflänzchen vor einigen Jahren begonnen hat, wird langsam aber sicher zum Boom: Weintourismus gilt als Hoffnungsträger mit realistischen Wachstumschancen. Neue Perspektiven kommen der krisengebeutelten Industrie ohnehin gelegen, die ständig frische Attraktionen ernten muss. Allerorts wachsen Initiativen und Angebote rund um die edlen Tropfen aus dem Boden, die sich an den Kenner in Kanada oder Deutschland ebenso richten wie an inländische Fans.

 

Trips mit Expertentipps

Diese haben jetzt die Qual der Wahl. Eine steigende Zahl an Veranstaltern reagiert auf die Marktbedürfnisse und liefert maßgeschneiderte Ideen. Die Kette Wein & Co hat beispielsweise mit Geo Reisen eine Vertriebskooperation gestartet: Spezielle Trips mit Expertentipps machen nun Abenteuer quer durch feine Wein- und Kulinarikregionen der Welt möglich. Derzeit befinden sich neun ausgesuchte Expeditionen im Programm, das in den kommenden Monaten an Quantität weiter zulegen wird.

 

Zulegen dürfte auch die Zahl jener Appetizer – keineswegs grundlos. Es muss nicht immer Prosecco sein: Wein ist wieder sexy und ein geschätztes Lifestyle-Objekt. Überall sperren Vinotheken auf, Verkostungen avancieren zu Promi-Events, Kellerfeste finden sich an allen Ecken und Enden. Deshalb findet die junge Zielgruppe zunehmend Gefallen an der Materie. Schließlich fördert ein kultivierter Urlaub mit der Rebe das Sozialprestige mehr als dumpfes Grillen am Strand mit anschließendem Leeren von Sangria-Kübeln. Im Sog der Öko-Besinnlichkeit hingegen treffen sinnverheißende Alternativen auf den Punkt. Abwechslung ist ohnehin gefragt, seit die Spaßgesellschaft fast jedes noch so bizarre Vergnügen ausgelotet hat. Da liefert die Rückkehr zur beschaulichen Erholung, verbunden mit Natur und Ursprünglichkeit, eben den etwas anderen Kick.

 

Junge Spezialisten

Blutauffrischung auf beiden Seiten des Zaunes kurbelt die Entwicklung zusätzlich an. „Durch den immer höheren Lifestyle-Anspruch der Winzer sowie die Präsenz junger, erfolgreicher Spezialisten dieser Gruppe fühlen sich die jüngeren Menschen weit mehr angesprochen“, so Ulrike Brandner-Lauter, Pressebetreuerin des Weinzentrums Loisium im niederösterreichischen Ort Langenlois.

 

Die sogenannten LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“) übernehmen eine Hauptrolle. Jene bereits stark umworbenen Verbraucher, die moralisch kaufen und ethisch reisen. Laut einer Untersuchung der Schober Group, Spezialist für Zielgruppenmarketing, könnte hier eine kleine Goldmine warten. Diese Personengruppe interessiert sich häufiger als der Durchschnitt für Themen wie Wein, Delikatessen, Kunst, Kultur, Antiquitäten oder Lifestyle. Klassischer Cluburlaub ist hier eher nicht gefragt; reizvolle Alternativen müssen her. Dazu ist bekannt, dass hier keineswegs Öko-Turnschuh-Fundis ohne Geld ihre Koffer packen, sondern durchaus finanzkräftige Aufsteiger, die gerne investieren, sollte die Nachhaltigkeits-Auflage erfüllt sein. Auch deshalb motivieren Destinationen mit bunten Plakaten und opulenten Inszenierungen, die Wein zum emotionalen Erlebnis für alle Sinne machen sollen.

 

„In den letzten Jahren gab es eine Trendwende. Winzer wie Konsumenten setzen zunehmend auf Qualität; die Herkunft wird immer wichtiger. Dazu kommt, dass Wein gefragt ist. Rund um das Thema wird die Palette ständig erweitert: mit Festen, Verkostungen oder großen regionalen Veranstaltungen. Die Betriebe entwickeln Angebote für Übernachtungen, Gastronomie und Wein“, weiß Hannes Weitschacher, GF von Weinviertel Tourismus.

 

Interesse ausländischer Gäste

Die Mühe lohnt sich. Weintourismus ist auf dem Weg vom Nischenphänomen über den Geheimtipp zur erstaunlichen Breitenwirkung, zeigt unter anderem das Beispiel Loisium. „Das Interesse ausländischer Gäste war sowohl im Hotel als in der Weinwelt von Anfang an hoch. Über Seminare kommen sehr viele internationale Interessenten, bei Besuchern aus den Märkten wie Asien oder Nordamerika gibt es laufend steigende Nachfrage“, führt Brandner-Lauter aus.

 

Jetzt wollen sämtliche Verantwortlichen, dass der Durst nicht gleich wieder versiegt. Deshalb läuft die Suche nach Magneten mit möglichst intensiver Anziehungskraft. Im Mittelpunkt steht eine klare Botschaft: Weintourismus bedeutet Kultur und ganzheitliches Wohlfühlen mit Anspruch. Dabei ist Kreativität gefragt, denn netter Winzer-Smalltalk im muffigen Keller alleine überzeigt nicht einmal Hardcore-Vinophile. Aber an Einsatz mangelt es auch keineswegs: Gerade erst lockte Top-Winzer Richard Zahel mit der Eröffnung seines modernen Zubaus jede Menge Prominenz nach Wien Mauer. Und Ende April wurde das neue Wirtschaftsgebäude des Starwinzers F.X. Pichler in Oberloiben eröffnet. Mit dem vom Kremser Architekten Thomas Tauber gestalteten Neubau, der sich wie eine verglaste Schiffsbrücke aus den Weingärten erhebt, besitzt nun auch die Wachau ein Stück moderne Wein-Architektur.

 

Architektur schafft Aufmerksamkeit

Die Adressaten reagieren: „Bei den Besuchern der Weinstraße Niederösterreich ist nicht nur die Nachfrage nach den hochkarätigen Weinerlebnissen, sondern ebenfalls ein vermehrtes Interesse an solchen Objekten festzustellen“, meint Tourismuslandesrätin Petra Bohuslav.

 

Oggau am Neusiedler See wiederum gibt sich gefühlvoll mit dem traditionellen jährlichen „Oggauer Weinglück". Unter dem Motto „Keller-Küche-Kunst“ laden Winzer, Künstler und Gastronomen zu einem Wochenende in die älteste Rotweingemeinde Österreichs. Insgesamt 17 Betriebe sind präsent, dazu kommt eine Führung entlang des Panorama-Wein-Wanderweges. Zusätzlich erhalten Besucher Einladungen zu diversen Degustationsmenüs.

 

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Das Urlaubsweingut Kriegl in Mannersdorf appelierte an den PS-Gourmet im Gast und veranstaltete ein Oldtimertreffen. Im hauseigenen Krilesyum wurden Weine sowie ein Buffet gereicht, garniert mit edlen Fahrzeugen und Motorrädern.

 

Potenzial ist nicht ausgereizt

Der Motor läuft also auf Hochtouren, die Drehzahl lässt sich jedoch weiter ankurbeln, wenn die Kreativität stimmt. „Das Potenzial ist bei weitem nicht ausgereizt“, weiß Verena Brandtner, zuständig für Marketing des Weinviertel Tourismus: „Steigerungen sind unter anderem möglich im Zusammenhang mit Kulinarik, Heurigen und Hotellerie.“

 

Vernetzung fordern Experten und diverse Politiker in Österreich ohnehin. Kooperationen zwischen Anbietern verwandter Bereiche sollen die Perspektiven des Weintourismus noch besser aussehen lassen. Auch von der Winzern wird mancherorts mehr Einsatzbereitschaft sowie bessere Abstimmung gefordert, im Gleichschritt mit der Tourismus-Industrie. Schließlich müsse man auf die positive Stimmung in den Zielgruppen jetzt sehr effizient reagieren – bevor andere Länder bessere Akzente setzen.

 

„Da sind einige noch auf dem Solotrip, weil sie großes Geld wittern“, erzählt ein Winzer: „Viele wollen abkassieren und sehen allerorts nur mehr oder weniger lästige Konkurrenten. Dabei ist der Kuchen einstweilen noch groß genug. Ein Festessen wird es aber nur, wenn möglichst viele in der Weinwirtschaft beginnen, Synergien zu nutzen, vor allem bei der professionellen Vermarktung ihrer Angebote. Das würde ja letztlich auch der gesamten Branche nutzen.“

 

Weinreisen Austria

Gemeinsam an einen Tisch gesetzt haben sich hingegen bereits die Anbieter von „Weinreisen Austria“: Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Vereinigung qualitätsorientierter österreichischer Weinhotels, Weingasthöfe, Restaurants mit gehobener Weinkultur, Weinorte, Weinregionen, Top-Winzer, gemütlicher Heurigen, Vinotheken und Weininstitute. Mit potenten Partnern – darunter die Österreich Werbung, das Österreichische Weinmarketing, Steiermark Tourismus und die Beste Österreichische Gastlichkeit – im Rücken wird eine Vielfalt an individuellen Angeboten dargelegt. Neu mit dabei ist etwa PURESLeben, das Ferienhäuser der vinophilen Art verspricht. Die sieben angebotenen Häuser finden sich inmitten von Weinbergen oder Streuobstwiesen, gewählt werden kann aus drei Kategorien: für gehobene Ansprüche eignen sich die Lagenhäuser, Winzerhäuser sind ideal für vier Personen und kuschelige Zweisamkeit versprechen die Weinstöckl.

 

Der aktuelle Katalog „Weinreisen Austria“ bietet Packages für Gruppen und Weinkenner ebenso wie diverse Bausteine zu den Themen „Wein und Wellness“, „Wein und Erlebnis“ oder „Urlaub am Weinbauernhof“.

 

Apropos Wein und Wellness: dieser Aspekt dürfte durchaus noch ausbaufähig sein, nicht zuletzt durch einschlägige Annehmlichkeiten wie die Vinotherapie. Solche Angebote werden bereits etwa im Boll Ant’s im Park (Bad Sobernheim, siehe auch Kasten) oder im renommierten Château Smith Haut Lafitte in Frankreich erfolgreich umgesetzt. Auch in Österreich sind bereits einige auf den Weinwohlfühl-Zug aufgesprungen. Der Weinhof Kappel in der Südsteiermark beispielsweise lockt die Gäste nicht nur mit edlen Tropfen zur innerlichen Anwendung, sondern auch mit Entspannung per Weintresterpackung, Vinomaske oder – für Verliebte – mit einem Romantik-Weinbad mit Rosenblüten und Traubenkernöl. Wer die Traubenessenz nicht gleich im Gesicht haben möchte, kann aber auch einfach die Seele baumeln lassen und in aller Ruhe ein Glas genießen. Mit ganz (w)einfachen Angeboten steht so eine bodenständige Alternative zu Esoterik-Seminaren für Zivilisationsmüde bereit.

 

Bild: weinviertel.at/HIMML


Ein sonniger Tag in Wien Döbling. Zahllose Menschen mit Gläsern in der Hand prägen das Bild zwischen Neustift und Nussdorf. Vertreten sind unterschiedlichste Altersklassen und Charaktere, das Feeling liegt irgendwo zwischen lockerem Open Air-Festival und Sonntagsspaziergang mit Familie. Denn jener vornehme Bezirk steht gerade im Zeichen eines Outdoor-Adventures mit Veltliner, Zweigelt und Co. Der Wiener Weinwandertag lockt wieder die Rot-Weiß-Rot-Fraktion zum Ausflug ins Rebensaft-Ambiente.

 

Wer dabei ist, kommt schnell auf den inhaltlichen Geschmack. Es geht um die Entdeckung von Natur und der Arbeit der Hersteller, die am Wegesrand den Praxistest zwischen Achtel und Viertel anbieten. Die Veranstaltung macht Laune, wie (nüchterne) Zahlen signalisieren: Schätzungen zufolge nahmen an der Premiere rund 7.000 Personen teil, zwei Jahre später nutzten bereits 13.000 Interessenten die Mischung aus Gehen und Genießen.

 

Wein wirkt also motivierend für das Freizeitverhalten, auch abseits solcher klassischen Einsatzgebiete wie Heuriger, Gourmetlokal und Wirtshaus. Denn die Tourismusbranche schenkt dem Kunden seit einiger Zeit vermehrt ein. Was als zartes Pflänzchen vor einigen Jahren begonnen hat, wird langsam aber sicher zum Boom: Weintourismus gilt als Hoffnungsträger mit realistischen Wachstumschancen. Neue Perspektiven kommen der krisengebeutelten Industrie ohnehin gelegen, die ständig frische Attraktionen ernten muss. Allerorts wachsen Initiativen und Angebote rund um die edlen Tropfen aus dem Boden, die sich an den Kenner in Kanada oder Deutschland ebenso richten wie an inländische Fans.

 

Trips mit Expertentipps

Diese haben jetzt die Qual der Wahl. Eine steigende Zahl an Veranstaltern reagiert auf die Marktbedürfnisse und liefert maßgeschneiderte Ideen. Die Kette Wein & Co hat beispielsweise mit Geo Reisen eine Vertriebskooperation gestartet: Spezielle Trips mit Expertentipps machen nun Abenteuer quer durch feine Wein- und Kulinarikregionen der Welt möglich. Derzeit befinden sich neun ausgesuchte Expeditionen im Programm, das in den kommenden Monaten an Quantität weiter zulegen wird.

 

Zulegen dürfte auch die Zahl jener Appetizer – keineswegs grundlos. Es muss nicht immer Prosecco sein: Wein ist wieder sexy und ein geschätztes Lifestyle-Objekt. Überall sperren Vinotheken auf, Verkostungen avancieren zu Promi-Events, Kellerfeste finden sich an allen Ecken und Enden. Deshalb findet die junge Zielgruppe zunehmend Gefallen an der Materie. Schließlich fördert ein kultivierter Urlaub mit der Rebe das Sozialprestige mehr als dumpfes Grillen am Strand mit anschließendem Leeren von Sangria-Kübeln. Im Sog der Öko-Besinnlichkeit hingegen treffen sinnverheißende Alternativen auf den Punkt. Abwechslung ist ohnehin gefragt, seit die Spaßgesellschaft fast jedes noch so bizarre Vergnügen ausgelotet hat. Da liefert die Rückkehr zur beschaulichen Erholung, verbunden mit Natur und Ursprünglichkeit, eben den etwas anderen Kick.

 

Junge Spezialisten

Blutauffrischung auf beiden Seiten des Zaunes kurbelt die Entwicklung zusätzlich an. „Durch den immer höheren Lifestyle-Anspruch der Winzer sowie die Präsenz junger, erfolgreicher Spezialisten dieser Gruppe fühlen sich die jüngeren Menschen weit mehr angesprochen“, so Ulrike Brandner-Lauter, Pressebetreuerin des Weinzentrums Loisium im niederösterreichischen Ort Langenlois.

 

Die sogenannten LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“) übernehmen eine Hauptrolle. Jene bereits stark umworbenen Verbraucher, die moralisch kaufen und ethisch reisen. Laut einer Untersuchung der Schober Group, Spezialist für Zielgruppenmarketing, könnte hier eine kleine Goldmine warten. Diese Personengruppe interessiert sich häufiger als der Durchschnitt für Themen wie Wein, Delikatessen, Kunst, Kultur, Antiquitäten oder Lifestyle. Klassischer Cluburlaub ist hier eher nicht gefragt; reizvolle Alternativen müssen her. Dazu ist bekannt, dass hier keineswegs Öko-Turnschuh-Fundis ohne Geld ihre Koffer packen, sondern durchaus finanzkräftige Aufsteiger, die gerne investieren, sollte die Nachhaltigkeits-Auflage erfüllt sein. Auch deshalb motivieren Destinationen mit bunten Plakaten und opulenten Inszenierungen, die Wein zum emotionalen Erlebnis für alle Sinne machen sollen.

 

„In den letzten Jahren gab es eine Trendwende. Winzer wie Konsumenten setzen zunehmend auf Qualität; die Herkunft wird immer wichtiger. Dazu kommt, dass Wein gefragt ist. Rund um das Thema wird die Palette ständig erweitert: mit Festen, Verkostungen oder großen regionalen Veranstaltungen. Die Betriebe entwickeln Angebote für Übernachtungen, Gastronomie und Wein“, weiß Hannes Weitschacher, GF von Weinviertel Tourismus.

 

Interesse ausländischer Gäste

Die Mühe lohnt sich. Weintourismus ist auf dem Weg vom Nischenphänomen über den Geheimtipp zur erstaunlichen Breitenwirkung, zeigt unter anderem das Beispiel Loisium. „Das Interesse ausländischer Gäste war sowohl im Hotel als in der Weinwelt von Anfang an hoch. Über Seminare kommen sehr viele internationale Interessenten, bei Besuchern aus den Märkten wie Asien oder Nordamerika gibt es laufend steigende Nachfrage“, führt Brandner-Lauter aus.

 

Jetzt wollen sämtliche Verantwortlichen, dass der Durst nicht gleich wieder versiegt. Deshalb läuft die Suche nach Magneten mit möglichst intensiver Anziehungskraft. Im Mittelpunkt steht eine klare Botschaft: Weintourismus bedeutet Kultur und ganzheitliches Wohlfühlen mit Anspruch. Dabei ist Kreativität gefragt, denn netter Winzer-Smalltalk im muffigen Keller alleine überzeigt nicht einmal Hardcore-Vinophile. Aber an Einsatz mangelt es auch keineswegs: Gerade erst lockte Top-Winzer Richard Zahel mit der Eröffnung seines modernen Zubaus jede Menge Prominenz nach Wien Mauer. Und Ende April wurde das neue Wirtschaftsgebäude des Starwinzers F.X. Pichler in Oberloiben eröffnet. Mit dem vom Kremser Architekten Thomas Tauber gestalteten Neubau, der sich wie eine verglaste Schiffsbrücke aus den Weingärten erhebt, besitzt nun auch die Wachau ein Stück moderne Wein-Architektur.

 

Architektur schafft Aufmerksamkeit

Die Adressaten reagieren: „Bei den Besuchern der Weinstraße Niederösterreich ist nicht nur die Nachfrage nach den hochkarätigen Weinerlebnissen, sondern ebenfalls ein vermehrtes Interesse an solchen Objekten festzustellen“, meint Tourismuslandesrätin Petra Bohuslav.

 

Oggau am Neusiedler See wiederum gibt sich gefühlvoll mit dem traditionellen jährlichen „Oggauer Weinglück". Unter dem Motto „Keller-Küche-Kunst“ laden Winzer, Künstler und Gastronomen zu einem Wochenende in die älteste Rotweingemeinde Österreichs. Insgesamt 17 Betriebe sind präsent, dazu kommt eine Führung entlang des Panorama-Wein-Wanderweges. Zusätzlich erhalten Besucher Einladungen zu diversen Degustationsmenüs.

 

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Das Urlaubsweingut Kriegl in Mannersdorf appelierte an den PS-Gourmet im Gast und veranstaltete ein Oldtimertreffen. Im hauseigenen Krilesyum wurden Weine sowie ein Buffet gereicht, garniert mit edlen Fahrzeugen und Motorrädern.

 

Potenzial ist nicht ausgereizt

Der Motor läuft also auf Hochtouren, die Drehzahl lässt sich jedoch weiter ankurbeln, wenn die Kreativität stimmt. „Das Potenzial ist bei weitem nicht ausgereizt“, weiß Verena Brandtner, zuständig für Marketing des Weinviertel Tourismus: „Steigerungen sind unter anderem möglich im Zusammenhang mit Kulinarik, Heurigen und Hotellerie.“

 

Vernetzung fordern Experten und diverse Politiker in Österreich ohnehin. Kooperationen zwischen Anbietern verwandter Bereiche sollen die Perspektiven des Weintourismus noch besser aussehen lassen. Auch von der Winzern wird mancherorts mehr Einsatzbereitschaft sowie bessere Abstimmung gefordert, im Gleichschritt mit der Tourismus-Industrie. Schließlich müsse man auf die positive Stimmung in den Zielgruppen jetzt sehr effizient reagieren – bevor andere Länder bessere Akzente setzen.

 

„Da sind einige noch auf dem Solotrip, weil sie großes Geld wittern“, erzählt ein Winzer: „Viele wollen abkassieren und sehen allerorts nur mehr oder weniger lästige Konkurrenten. Dabei ist der Kuchen einstweilen noch groß genug. Ein Festessen wird es aber nur, wenn möglichst viele in der Weinwirtschaft beginnen, Synergien zu nutzen, vor allem bei der professionellen Vermarktung ihrer Angebote. Das würde ja letztlich auch der gesamten Branche nutzen.“

 

Weinreisen Austria

Gemeinsam an einen Tisch gesetzt haben sich hingegen bereits die Anbieter von „Weinreisen Austria“: Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Vereinigung qualitätsorientierter österreichischer Weinhotels, Weingasthöfe, Restaurants mit gehobener Weinkultur, Weinorte, Weinregionen, Top-Winzer, gemütlicher Heurigen, Vinotheken und Weininstitute. Mit potenten Partnern – darunter die Österreich Werbung, das Österreichische Weinmarketing, Steiermark Tourismus und die Beste Österreichische Gastlichkeit – im Rücken wird eine Vielfalt an individuellen Angeboten dargelegt. Neu mit dabei ist etwa PURESLeben, das Ferienhäuser der vinophilen Art verspricht. Die sieben angebotenen Häuser finden sich inmitten von Weinbergen oder Streuobstwiesen, gewählt werden kann aus drei Kategorien: für gehobene Ansprüche eignen sich die Lagenhäuser, Winzerhäuser sind ideal für vier Personen und kuschelige Zweisamkeit versprechen die Weinstöckl.

 

Der aktuelle Katalog „Weinreisen Austria“ bietet Packages für Gruppen und Weinkenner ebenso wie diverse Bausteine zu den Themen „Wein und Wellness“, „Wein und Erlebnis“ oder „Urlaub am Weinbauernhof“.

 

Apropos Wein und Wellness: dieser Aspekt dürfte durchaus noch ausbaufähig sein, nicht zuletzt durch einschlägige Annehmlichkeiten wie die Vinotherapie. Solche Angebote werden bereits etwa im Boll Ant’s im Park (Bad Sobernheim, siehe auch Kasten) oder im renommierten Château Smith Haut Lafitte in Frankreich erfolgreich umgesetzt. Auch in Österreich sind bereits einige auf den Weinwohlfühl-Zug aufgesprungen. Der Weinhof Kappel in der Südsteiermark beispielsweise lockt die Gäste nicht nur mit edlen Tropfen zur innerlichen Anwendung, sondern auch mit Entspannung per Weintresterpackung, Vinomaske oder – für Verliebte – mit einem Romantik-Weinbad mit Rosenblüten und Traubenkernöl. Wer die Traubenessenz nicht gleich im Gesicht haben möchte, kann aber auch einfach die Seele baumeln lassen und in aller Ruhe ein Glas genießen. Mit ganz (w)einfachen Angeboten steht so eine bodenständige Alternative zu Esoterik-Seminaren für Zivilisationsmüde bereit.

 

Bild: weinviertel.at/HIMML

 

 

 

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