Irgendwie ist denen im ÖVB der Schmäh ausgegangen.
Unser heimischer Tourismusgigant, das Österreichische Verkehrsbüro, das Paradeunternehmen der Branche, der Filial-Gigant, lag mir immer ganz besonders am Herzen.
Das hat viele, auch historische und persönliche Gründe: Ach, wo sind denn die Zeiten geblieben, als der legendäre (leider schon verstorbene) Ernst Stock eine Veranstaltung von FM im Schloss Wilhelminenberg sponserte. Für Baumeister Robert Rogner. Die Gäste bastelten aus Lego-Steinen verschiedene Hotelprojekte. Selbst Leo Wallner saß auf dem Boden und gehorchte seinem Spieltrieb. Und beim Gala-Diner bedankte sich Stock in seiner Festansprache bei all den Sponsoren, die ich aufgetan hatte und vermisste meine bildschöne (erste) Ehefrau. Die deshalb nicht anwesend war, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon des Längeren von ihr geschieden war.
Das sind die Momente für die Ewigkeit. Das merkt man sich. Forever. Danach ging’s für’s ÖVB ans Eingemachte. Ein junger, tüchtiger und hungriger Airliner, Dr. Reinhard Galler, schickte sich an, das Verkehrsbüro zu kaufen. Und es begab sich, dass ein gewisser Wolfgang Steinwender, damals Leiter für wirtschaftliche Angelegenheiten im Büro von Handelsminister Dr. Norbert Steger, mich dringend zum Treff ins Kaffeehaus bat. Ich sagte alle Termine ab und war bass erstaunt, als Steinwender eine lange Liste von Fragen präsentierte.
Soll man die Außenstellen der Österreich Werbung und die der Bundeskammer zusammenlegen? Soll man das Österreichische Verkehrsbüro verkaufen? Und wenn ja, um wie viel? Soll man den Prozess mit Erich Sokol vergleichen oder weiter streiten? Eine Unzahl von Fragen hatte er mitgebracht. „Und was wird das?“, fragte ich. „Nun, du kennst dich dabei aus und könntest uns ja ein paar ehrliche Antworten geben“, meinte S.
Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich da jetzt die gesamte Tourismuspolitik mitgestalten durfte. Irr! Und weil ich das tat, wurde die Sache für Galler so richtig teuer. Denn aufgrund meiner Einschätzung und der Bemerkung, dass Galler einen lächerlichen Betrag für dieses Unternehmen geboten hätte, konnte er nicht das volle Paket erwerben, sondern erhielt nur ein kleines Aktienpaket und selbst dafür war der Preis höher als das, was er für das gesamte ÖVB geboten hatte. Wir blieben dennoch Freunde. Und noch wenige Tage vor seinem viel zu frühen Tod (den Armen erwischte es am Tennisplatz) brachte er sein Parade-Lamento an: „Du“, flog er mich scherzhaft an, „bist schuld daran, dass ich für so wenig Anteile so viel bezahlt habe.“
Und dann die Ära Tucek. Ein unglaublicher Höhenflug des Unternehmens. Zu Gallers Zeiten lachte ich ihn aus, was seine Gewinne betraf: Die von unseren Medien waren höher als jene des heimischen Tourismusgiganten. Seit Tuceks Zeiten habe ich aufgehört, zu vergleichen.
Nach Tuceks Abgang (wir alle wissen, wie das lief) kam Toth, der Gewinnbringer, ans Ruder.
Doch was ist nun mit dem Verkehrsbüro los? Faktum ist, dass man mit Martin Bachlechner noch einen Branchenprofi an Bord hat, der über hervorragendes fachliches Niveau verfügt. Harald Nograsek, der Mann, der Randas Erbe (geparkt in der B & C Holding) verwaltet, ist sicher ein braver Beteiligungs-Verwalter. Doch was da fehlt, ist das Unternehmerische, das Strategische. Nach dem Abgang von Norbert Draskovits im vorigen Jahr, dem mit dem Verkauf der Wigast-Restln sein Aufgabengebiet abhanden kam, hat ein weiterer Wissender das Haus verlassen. Wobei ich nicht kritisiere, dass dieser Notverkauf an die Gruppe des oberösterreichischen Raiffeisenbosses Scharinger durchgezogen wurde – in der Gastronomie und im Catering sind gerade in Zeiten wie diesen keine goldenen Nockerln mehr zu verdienen.
Das Verkehrsbüro ist damit groß geworden, dass es Manager mit Weitblick, mit Phantasie, mit Mut, mit Kreativität und Innovationsgabe hatte. Ich frage Sie, liebe FM-Leser: Welche dieser wesentlichen Tugenden ist beim ÖVB-Oberwuzzi wohl am stärksten ausgeprägt? Die Juroren der diesjährigen Ranking-List haben darauf bereits Antworten … analysiert ein nachdenklicher
Christian W. Mucha
Herausgeber
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