… oder auch nicht – die klassische Urlaubsposse
Während die Bayern dieser Tage mit deutlicher Mehrheit das machten, was auch wir Österreicher täten (wenn man uns nur ließe), nämlich für generelles Nichtrauchen in der Gastronomie zu stimmen, rauchen anderswo aus anderen Gründen die Köpfe: In diesem Moment sitzen weltweit geschätzte 824.000 erwartungsfrohe Ehepaare in irgendeinem Laden vor irgendeinem Juwelier, der drauf und dran ist, sie wort- und gestenreich abzuzocken.
Eine Urlaubsreise, das weiß jeder, ist für das Börsel genau so gefährlich, wie hungrig in einen Supermarkt einkaufen zu gehen: Wer mit leerem Magen zum Billa geht, der kauft um dreißig Prozent mehr Lebensmittel ein, als er benötigt.
Im Urlaub sind wir guter Laune. Da haben wir Zeit. Da will der liebe Schatz ein Andenken, etwas Bleibendes, Schönes und wenn’s geht, ein Schnäppchen. Ein Schmuckstück. Eine Erinnerung fürs ganze Leben.
Auf den ungezählten Reisen in meinem Leben bin ich auf den Spuren diverser Wahnsinniger gewandelt, die in den Juwelen-Hochburgen dieser Welt sauteure Pretiosen erstanden haben. In Indien erzählte mir unser Reiseleiter, dass er sich von jener Kommission, die ihm der hiesige Juwelier beim Verkauf eines Riesenrubins an einen österreichischen Spitzenmanager gezahlt hatte, ein neues Allrad-Auto angeschafft hatte, in St. Thomas (Karibik) errötete Goldsmith N.N. vor Freude, als er auf meiner Kreditkarte „Austria“ leuchten sah („there was this Austro-Canadian millionaire and he bought a yellow diamond for his daughter“) und in Athen schrie die zahnlose Geschäftsfrau mich gar wütend an, als sie hörte, wie viel ich bereit war, für den von ihr feilgebotenen Viertel-Edelstein zu berappen (ein Viertel-Edelstein ist etwas weniger wert als ein Halb-Edelstein).
Auf unserer Hochzeitsreise tappte ich wieder einmal in die Falle. Ein edles Geschäft und sein wortgewandter steinerweichender Juwelier, beide von außergewöhnlicher Schönheit (der Shop hört auf den Namen Apollo’s), luden uns in Kusadasi in der Türkei ein, einen blauen und einen pinken Saphir zu kaufen. Schöne große Steine, für die ich nach langem, hartem Feilschen 4.444 Euro berappte.
Als kleine Zuwaage legte er noch zwei Alexandrite drauf. Steine, die bei künstlichem Licht ihre Farbe verändern und von grün zu dunkelrot, von blau zu violett wechseln. Sehr faszinierend und nicht gerade billig. Doch die gab’s als Extra. Mäuserich war glücklich, Mäuschen war glücklich und die Mäuse wanderten zu Apollo.
Dass man uns mit Mäusescheiße angekackt hatte, entdeckten wir nach unserer Rückkehr in Wien, als ich unseren Haus- und Hof-Juwelier bat, die Ringweite zu ändern. Er blickte die beiden Steine kurz an und fragte, was dafür bezahlt wurde. Als ich den Preis nannte, schüttelte er den Kopf. „Das kann nicht gehen“, meinte er: „Sie hätten das Vierfache dafür bezahlen müssen.“
Nächste Station: Bei Professor Leopold Rössler (www.gemmologie.at), einem der renommiertesten heimischen Gutachter in Sachen Pretiosen. Von ihm gab’s das Resultat schriftlich. Der Mann, der die irrwitzigsten Dinge erlebt, analysierte unseren Kauf glasklar. Der blaue und der rosa Saphir sind beide Korunde – soviel steht fest. Freilich synthetische. Wert der beiden Steine: Rund 250 Euro. Die Diamanten und das Gold drum herum, vom Wert her vernachlässigbar, sind – Ironie des Schicksals – echt. Und das Gutachten, das man uns mit großer Geste in die Hand gedrückt hatte? Das „International Guarantee Certificate“, versehen mit dem gedruckten Text „Our jewellery shop is member of Kusadasi Jewellery Association. All prices and qualities are controlled by the board of Kusadasi Jewellery Association“. Die vollmundige Ankündigung, alles sei kontrolliert durch die Handelskammer von Kusadasi (Ephesos), kann man nicht einmal als Klopapier verwenden. Dafür ist dieses geduldige Papier nämlich zu hart.
Die Unverfrorenheit, mit der solche Geschäftemacher ihre Kunden abzocken, ist unvorstellbar. Fachleute schätzen, dass vierzig Prozent aller Juwelen, die über den Ladentisch gehen, in irgendeiner Form unsauber sind. Experten wie Professor Rössler können hier stundenlang die irrsten Geschichten erzählen. Da werden Steine gefärbt, gefüllt, zerschnitten und mit Glas kombiniert. Diamanten werden erhitzt und so mutiert ein zartgelber Stein zum Fancy Yellow Vivid und verzwanzigfacht seinen Preis. Meine beiden Alexandrite erheiterten den Professor. Sie bestehen aus gefärbtem Glas, das mit einem Granat verklebt ist. Dadurch entsteht der Alexandrit-Effekt der Farbveränderung.
Aus all dem gibt’s ein Fazit, einen Rat und eine persönliche Konsequenz für meine Frau und mich: Das Fazit lautet: Juwelen-Kauf ist Vertrauenssache. Vertrauen ist keine Sache von zehn Minuten, sondern von Jahren. Und vertrauen können Sie Ihrem heimischen Juwelier. Oder einem großen Auktionshaus wie dem Dorotheum, das über eines der größten Labore im Land verfügt und aufgrund der Bevorschussungen beim Belehnen von Schmuck es sich gar nicht leisten kann, verfälschten Steinen aufzusitzen. Dort ist ein Rubin ein Rubin und dort stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Unser persönliches Fazit lautet: Wir werden uns den Spaß des Juweleneinkaufs im Urlaub künftig ersparen. Vielleicht sollten wir auf Teppiche umsteigen …
Herzlichst
Ihr
Christian W. Mucha
P.S.: Diese Ausgabe ist Balthasar Hauser, einer der faszinierendsten Persönlichkeiten des heimischen Tourismus gewidmet. Für den Tiroler Entrepreneur und genialistischen Gäste-Magneten wird FM eine gute Tradition wieder aufleben lassen: Wir werden nach Beschluss unserer Redaktion den FM-Incoming-Preis seit vielen Jahren erstmals wieder live in Kitzbühel vergeben.
Eine Auszeichnung, die von Leo Wallner über Niki Lauda bis zu André Heller, von Robert Rogner bis zu Friedrich Jahn und Dr.Dr. Alois Lugger (beide leider schon verstorben) viele legendäre Persönlichkeiten, die Gäste ins Land brachten, einheimsen konnten.
Heuer geht sie an Balthasar Hauser und seinen Stanglwirt in Going. Herzliche Gratulation.
P.P.S.: Apropos Gratulation: Für die vielen Glückwünsche anlässlich unserer Hochzeit danken Ekaterina und ich allerherzlichst. Der Obige.
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